Unsere Positionen

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) mit mehr als 4500 wissenschaftlich tätigen Mitgliedern und der Fakultätentag Psychologie – die Stimme der Psychologischen Fakultäten – unterstützen die Reform des Psychotherapeutengesetzes durch konkrete Vorschläge, die eine finanzierbare und hochwertige Umsetzung dieses Vorhabens zügig ermöglichen.

Die zentralen Eckpunkte unserer Vorschläge sind hier aufgeführt:

Die Ausbildungsstruktur soll mit der Ausbildungsstruktur anderer, selbständiger akademischer Heilberufe (z.B. Medizin, Zahnmedizin) vergleichbar sein und dem europäischen Qualifikationsrahmen EQR 7 entsprechen.

Die Ausbildung erfolgt in einem 5-jährigen universitären Studium in einer Bachelor-Master-Struktur mit anschließender praxisorientierter Approbationsprüfung (berufsrechtliche Anerkennung). Darauf folgt eine Weiterbildung in Psychologischer Psychotherapie zum Erwerb der Fachkunde in Psychotherapie für Erwachsene oder für Kinder- und Jugendliche (sozialrechtliche Anerkennung).

Um die integrierte wissenschaftliche und praktische Ausbildung wie in anderen akademischen Heilberufen sichern zu können, können die Studiengänge nur von Universitäten und gleichgestellten Hochschulen durchgeführt werden.

Der 1. Teil des Hochschulstudiums ist als grundlegendes, polyvalentes Bachelorstudium der Psychologie geplant, in dem bereits erste klinisch-psychologische und psychotherapeutische Kompetenzen erworben werden, das jedoch Wahlmöglichkeiten für andere psychologische Tätigkeiten offenlässt.

Den 2. Teil des Hochschulstudiums bildet ein spezialisiertes Masterstudium der Psychologie mit Schwerpunkt in Klinischer Psychologie und Psychotherapie sowohl des Kindes-, Jugend- als auch Erwachsenenalters.

Es werden sowohl wissenschaftliche als auch praktische Kompetenzen für die nachfolgende Berufstätigkeit bzw. für die Weiterbildung vermittelt.

Praktika (840 h) sowie weitere praxisorientierte Lehrveranstaltungen bilden integrale, angeleitete Bestandteile des Studiums.

Ein Anforderungskatalog konkretisiert die notwendigen Praxiserfahrungen. Dieser berücksichtigt in hohem Maße auch die Vorschläge der Bundespsychotherapeuten­kammer (BPtK).

Es werden keine zusätzlichen (unbezahlten) Praxisphasen zwischen Studium und Weiterbildung vorgesehen (vgl. Problematik des früheren AiP in der Medizin).

Unsere Vorschläge sind konform mit dem BMG Arbeitsentwurf zum Gesetz von Juli 2017 und integrieren wesentliche Empfehlungen des Wissenschaftsrates vom Januar 2018.

Die Studieninhalte repräsentieren einen evidenzbasierten, zukunftsorientierten psychotherapeutischen Pluralismus, der neben traditionellen wissenschaftlich anerkannten Psychotherapie-Verfahren auch wissenschaftlich fundierte Behandlungs­methoden und evaluierte psychotherapeutische Neuentwicklungen berücksichtigt (Stichwort: „Vielfalt durch Evidenzbasierung“).

Unsere Vorschläge schaffen die strukturelle Basis zur Entwicklung von Antworten auf gegenwärtige und zukünftige Versorgungsfragen im Bereich seelischer Gesundheit (z.B. ökonomische Versorgungsmodelle, Integration von eHealth-Optionen in der Versorgung)

Unsere Vorschläge schaffen die Voraussetzung für eine zukunftsorientierte und international konkurrenzfähige Psychotherapieforschung.

Wir machen Vorschläge zum Akkreditierungs- und Anerkennungsverfahren entspre­chender Studiengänge und zur Durchführung einer Approbationsprüfung unter staatlicher Aufsicht.

Wir schlagen einen konkreten Studienplan zur sofortigen Umsetzung an den Universitäten vor.

Erteilung der Fachkunde in Psychotherapie für Erwachsene oder für Kinder- und Jugendliche mit sozialrechtlicher Anerkennung nach entsprechender Weiterbildung

Unsere Vorschläge schließen Empfehlungen zur besseren Vernetzung von Studium, wissenschaftlicher Weiterqualifikation und postgradualer Weiterbildung mit ein.

Erforderliche nächste Schritte zur politischen Umsetzung:

Verabschiedung einer Revision des Psychotherapeutengesetzes entsprechend dieser Empfehlungen

Erlass einer Approbationsordnung, die notwendige Kompetenzen definiert, aber auch Studierbarkeit, Realisierbarkeit und Zukunftsorientierung sicherstellt

Sicherstellung der Finanzierung der Zusatzkosten für das Studium, die bei einer entsprechenden Ausweitung des Psychologie-Studiums entstehen

Ermöglichung Interdisziplinärer Behandlungszentren Psychotherapie, wodurch eine für Deutschland notwendige Verlagerung von stationären zu ambulanten Behandlungsangeboten gefördert wird

Sicherung der Finanzierung von Weiterbildungsstellen im stationären und ambulanten Bereich

Schaffung gesetzlicher Voraussetzungen zur Umwandlung bestehender Ausbildungsinstitute für Psychotherapie in Weiterbildungsinstitute als notwendige Institutionen zur strukturellen Qualitätssicherung der Psychotherapie-Weiterbildung

Übergangsregelungen zur zügigen Umsetzung der neuen Struktur sowie zur rechtlichen und finanziellen Absicherung von Teilnehmer/-innen nach dem alten Ausbildungsmodell

Anpassung des WissZeitG sowie weitere Maßnahmen zur erleichterten Kombination von wissenschaftlicher Laufbahn (Promotion) und klinischer Weiterbildung (z.B. Schaffung von Stellen zur wissenschaftlichen und praktischen Doppelqualifikation)