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FAQ

FAQ zum Referentenentwurf vom 03.01.2019

Nach den Rückmeldungen von Verbänden und Kammern soll es noch im Februar einen Kabinettsentwurf geben. Dies wird der Start für das parlamentarische Verfahren sein. Im Moment wird geschätzt, dass es die erste Lesung im Mai 2019 geben wird. Wenn es zügig geht, so ist die zweite und dritte Lesung (und damit die Verabschiedung des Gesetzes) für „nach der Sommerpause“ zu erwarten. Allerdings gibt es noch eine ganze Reihe von derzeit schwer einschätzbaren Verläufen. Es gibt einigen Widerstand gegen das Gesetz. Es ist also möglich, dass es noch Änderungen im Gesetz geben wird; auch Verzögerungen sind nicht auszuschließen. Andererseits ist es natürlich auch möglich, dass das Verfahren wie geplant durchgezogen wird, und das Gesetz zum 01.09.2020, wie im Referentenentwurf genannt, in Kraft tritt. Wir empfehlen den Instituten, die nötigen Planungs- und Änderungsschritte für die Anpassung der Studiengänge zügig einzuleiten, sich aber darauf einzustellen, dass noch Änderungen „unterwegs“ nötig werden.

Ja. Unbedingt. Eine zukünftige Approbationsordnung, die nach dem Gesetz zu erlassen wäre, regelt nur die Teile der Ausbildung, die in Studiengängen zur Approbation vorhanden sein müssen. Diese Anteile umfassen bereits viele Bestandteile des bisherigen Psychologiestudiums (inklusive Teile der Ausbildung in Grundlagen, Methodenlehre und Empiriepraktikum). Zusammen mit den verbleibenden freien ECTS könnte B.Sc.- und M.Sc.-Studiengänge weiterhin so gestaltet werden, dass sie gleichzeitig den Empfehlungen der DGPs für B.Sc.- und M.Sc.-Studiengänge Psychologie entsprechen und die berufsrechtlichen Vorgaben zur Erteilung der Approbation (laut Referentenentwurf) erfüllen.

Nein. Eine zukünftige Approbationsordnung, die nach dem Gesetz zu erlassen wäre, regelt nur einen Mindestumfang der Ausbildung in den Grundlagen und Methoden der Psychologie, die zukünftig in Studiengängen zur Approbation vorhanden sein muss. Es steht den Hochschulen frei, den Umfang der Ausbildung in den Grundlagenfächern und in Methodenlehre / Statistik wie bisher umfangreicher zu gestalten. Die verbleibenden ECTS-Punkte, die nicht durch die Approbationsordnung geregelt sind, machen es möglich, die Ausbildung in allen Grundlagenfächern und in Methodenlehre in dem Umfang zu gestalten, wie es die Empfehlungen der DGPs bisher vorsehen (insgesamt ca. 48 ECTS-Punkte Grundlagen, 20 ECTS Methodenlehre). Die konkrete Ausgestaltung hängt dann von den Schwerpunkten und Kapazitäten der einzelnen Institute ab.

Ja. Eine zukünftige Approbationsordnung, die nach dem Gesetz zu erlassen wäre, regelt nur die Teile der Ausbildung, die in Studiengängen zur Approbation vorhanden sein müssen. Die verbleibenden ECTS-Punkte, die nicht durch die Approbationsordnung geregelt sind, machen es möglich, neben der Grundlagen- und Methodenausbildung eine grundlegende Ausbildung in bis zu drei verschiedenen Anwendungsfächern in dem Umfang anzubieten, wie es die Empfehlungen der DGPs bisher vorsehen (Basis insgesamt 24 ECTS-Punkte). Eine Vertiefung kann dann in zwei Anwendungsfächern im bisher empfohlenen Umfang (24 ECTS) angeboten werden. Eines davon muss Klinische Psychologie sein, wenn Absolventinnen und Absolventen die berufsrechtlichen Regelungen für eine Approbation erfüllen wollen.

Nein. Wir müssen hier unterscheiden zwischen den Inhalten, die wir als Eckpunkte eines guten Psychologie-Studiums ansehen und dem, was das BMG regulieren darf. Das BMG darf in die Kultushoheit der Länder und Hochschulen nur soweit eingreifen, wie es über Patientenschutz gerechtfertigt erscheint. Alles was nicht über Patientenschutz rechtfertigbar ist, ist Hoheit der Länder / Hochschulen bei der Studiengangsgestaltung. Deshalb definiert der Bund über eine zukünftige Approbationsordnung vor allem die klinischen Ausbildungsbestandteile und lässt bei allen anderen Teilgebieten Spielräume.

Nein, es steht den Hochschulen frei, Teile der durch die zukünftige Approbationsordnung vorgegebenen Studieninhalte als Wahlpflichtmodule anzubieten, das wäre also ein „Optionsmodell“. Studierende könnten dann wählen, ob sie ihr Studium so gestalten, dass sie die berufsrechtlich für die Approbation erforderlichen Studienanteile erbringen oder nicht. Die Akkreditierung des Studiengangs würde sich dann nur auf diese Wahloption beziehen. Dabei ist zu bedenken: Die Realisierung der approbationsrelevanten Studienanteile im Wahlbereich erhöht einerseits die Flexibilität für Studierenden. Andererseits erschwert eine solche Konstruktion Kapazitätsplanungen, da schwer abzusehen ist, wie viele Studierende sich für die approbationsrelevanten Wahlveranstaltungen entscheiden werden. Es erschwert auch den Zulassungsprozess im Master, da für jeden Absolventen eines solchen Studiengangs mit „Optionsmodell“ einzeln entschieden werden muss, ob er die approbationsrelevanten Anteile erfüllt hat oder nicht.

In einem polyvalenten Bachelor können alle Berufsfelder für Praktika gewählt werden. Die bisherigen Vorschläge zur Approbationsordnung fordern allerdings ein erstes Orientierungspraktikum (4 Wochen) im interdisziplinären Bereichen der gesundheitlichen Versorgung und ein berufsqualifizierendes zweites Praktikum (6 Wochen) in Praxisfeldern der Psychotherapie zu absolvieren. Diese Regelung wurde vom BMG vorgesehen, um zu gewährleisten, dass erste Patientenerfahrungen im Bachelor-Studium erworben werden, bevor man sich auf die Master-Studiengänge mit Schwerpunkt im klinischen Bereich bewirbt. Wir werden uns dafür einsetzen, dass zumindest beim Orientierungspraktikum vielfältigere Settings zugelassen werden bzw. Vorpraktika anerkannt werden können (z.B. aus einem Freiweilligen Sozialem Jahr, FSJ). Sollte uns das nicht gelingen, können Studierende zu freiwilligen Praktika angeregt werden (oder Praxisphasen in der Studienordnung ausgedehnt werden, was aber wieder zu Lasten anderer Inhalte gehen würde). Darüber hinaus können Studierende darauf verzichten, die Voraussetzungen für die Approbation zu erfüllen (siehe oben) und können dann auf klinische Praktika verzichten.

Mehrkosten entstehen im B.Sc. vor allem dadurch, dass der Umfang der klinischen Lehre, teilweise auch der Diagnostikausbildung an vielen Standorten erhöht werden muss. Im M.Sc. mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie entstehen Mehrkosten ebenfalls durch einen höheren Umfang der klinischen Lehre und durch Lehrformen mit kleinen Gruppengrößen, die dadurch relativ „teuer“ sind. Diese Mehrkosten werden teilweise ausgeglichen, dass weniger Studierende als bisher eine klinische Vertiefung durchlaufen. Das BMG geht pro Studierendem von Mehrkosten von 0,3 SWS pro Jahr im B.Sc. und 1,0 SWS pro Jahr im M.Sc. mit klinischem Schwerpunkt  aus. Das BMG hat im Anhang seine Überlegungen zu den Mehrkosten expliziert. Diese erschienen realistisch.

Die im B.Sc. vorgesehenen Module „Grundlagen der Medizin für Psychotherapeuten“, „Grundlagen der Pharmakologie für Psychotherapeuten“ und „Grundlagen der Pädagogik“ erfordern teilweise die Einbindung externer Expertise. Die beschriebenen Inhalte weisen aber große Überlappungen mit der Biologischen Psychologie bzw. Pädagogischen Psychologie auf, sodass hier eine teilweise Verknüpfung der Ausbildung in Biologischer bzw. Pädagogischer Psychologie mit diesen Inhalten möglich erscheint.

Nein, dazu gibt es keinerlei Vorgaben. Sowohl B.Sc.- als auch M.Sc.-Arbeiten können in allen Bereichen der Psychologie angefertigt werden.

Nein. Eine Einrichtung von Psychotherapie-Studiengängen B.Sc. Psychotherapie birgt die Gefahr der unzureichenden Vermittlung psychologischer und wissenschaftsmethodischer Kompetenzen für zukünftige Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten und damit wird der Erwerb der Kompetenz, Entscheidungen auf Basis des aktuellen wissenschaftlich fundierten Kenntnisstandes zu treffen, gefährdet. Auch gewährt eine Verankerung innerhalb der Psychologie-Studiengänge eine bessere Vergleichbarkeit zu europäischen Studienabschlüssen.

Wir raten den einzelnen Universitätsinstituten der Psychologie eindringlich, die im Gesetzentwurf der Psychologie eingeräumten Möglichkeiten zu nutzen, und polyvalente Bachelor-Studiengänge Psychologie mit vollem Umfang für die Grundlagenfächer (48 ECTS) einzurichten. Der Bachelor, der nach diesen Vorschlägen möglich ist, entspricht dem Bachelor der Psychologie, wie er bisher an der Mehrzahl der Institute umgesetzt wurde (mit Ausnahme von Nebenfach-Details). Deshalb kann nach unserer Empfehlung ein zukünftiger B.Sc. in Psychologie eingerichtet werden, der auf dem gleichen wissenschaftlichen Niveau und mit gleicher Repräsentanz der Grundlagenfächer auch zur Approbation führt.

Ja. In seiner jetzigen Form erlaubt der Referentenentwurf die Integration der Inhalte einer skizzierten Approbationsordnung in gängige polyvalente Psychologie-Bachelorstudiengänge. Dies ist ausdrücklich zu begrüßen und im weiteren Prozess zu sichern. Dadurch können die bewährten Strukturen des Psychologie-Studiums und die Einheit des Faches sowie die Flexibilität für Bachelorabsolventinnen und -absolventen der Psychologie erhalten bleiben.

Ab Inkrafttreten des neuen Gesetzes, voraussichtlich ab dem 1.10.2020, gilt das alte PsychThG nicht mehr. Ab dem WS 2020/21 sollten der polyvalente B.Sc. Psychologie und auch möglichst auch der M.Sc. mit den approbationsrelevanten Bestandteilen flächendeckend angeboten werden. Ab diesem Zeitpunkt können Studierende, die ein Studium neu beginnen, nur noch über die neuen Studiengänge zur Approbation gelangen. Für die schon im Studium befindlichen bzw. die schon fertigen Studierenden gelten Übergangsregelungen. Für die derzeit bereits im Studium befindlichen B.Sc.-Studierenden in Studiengängen, die noch nicht zur Approbation qualifizieren, sollten die Standorte prüfen, ob Zusatzmodule angeboten werden können, die die approbationsrelevanten Bestandteile „nachliefern“. Diese Absolventen könnten dann in neu eingerichtete Masterstudiengänge mit klinischem Schwerpunkt aufgenommen werden.

Ja, dies ist aber nur möglich, wenn diese Fächer eine qualifizierte Ausbildung mit den vom BMG vorgegebenen umfangreichen psychologischen Studieninhalten anbieten können. Dies wird vermutlich für andere Fächer schwierig sein. Zudem muss auch eine Ambulanz für die Psychotherapie-Ausbildung vorhanden sein. Da die Anzahl der für die Patientenversorgung benötigten Psychotherapeuten/innen begrenzt ist und das Bundesgesundheitsministerium eine Deckelung über die vorhandenen Approbationsstudienplätze plant, ist davon auszugehen, dass die Psychologie die neuen Studiengänge am schnellsten in ihr bisheriges Angebot integrieren kann. Daher ist es sinnvoll, dass mit Erlass des neuen Gesetzes, neben dem Bachelor auch möglichst zeitnah ein Master, der zur Approbation führt, angeboten wird. Sofern ein anderes Fach die Ausbildung in Psychotherapie als Bezugsfach anbietet, kann der Abschluss nicht „M.Sc. Psychologie, Psychotherapeut/in“ lauten.

Ja. Eine zukünftige Approbationsordnung, die nach dem Gesetz zu erlassen wäre, regelt nur die Teile der Ausbildung, die in Studiengängen zur Approbation vorhanden sein müssen. Die verbleibenden ECTS-Punkte, die nicht durch die Approbationsordnung geregelt sind, machen es möglich, weitere Bestandteile des Studienganges zu anzulegen, dass der Master insgesamt den Empfehlungen der DGPs für allgemeine Masterstudiengänge in Psychologie entspricht, also 10 ECTS Evaluation und Forschungsmethoden, 10 ECTS Diagnostik / Begutachtung, 10 ECTS Grundlagenvertiefung, 5 ECTS Projektarbeit, 30 ECTS Masterarbeit. Masterstudiengänge, die nicht mehr dieses Mindestmaß an Grundlagen, Methodik und Diagnostik beinhalten, sind laut DGPs-Empfehlungen keine allgemeinen, sondern spezialisierte oder sogenannte Bindestrich-Masterprogramme (z. B. interdisziplinäre Studiengänge).

Ja. Laut bisherigem Vorschlag zu einer Approbationsordnung sind für ein Studium, das zur Approbation führt, 7 ECTS Grundlagenvertiefung vorgesehen. Die verbleibenden ECTS-Punkte, die nicht durch die Approbationsordnung geregelt sind, machen es möglich, auch 10 ECTS Grundlagenvertiefung anzubieten und damit den Empfehlungen der DGPs für Masterstudiengänge in Psychologie zu entsprechen.

Ab Inkrafttreten des neuen Gesetzes, voraussichtlich ab dem 01.10.2020, gilt das alte PsychThG nicht mehr. Ab dem WS 2020/21 sollten deshalb der polyvalente B.Sc. und möglichst auch der M.Sc. Psychologie mit Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie flächendeckend angeboten werden. Ab diesem Zeitpunkt können Studierende, die ein Studium neu beginnen, nur noch über die neuen Regelungen zur Approbation gelangen. Nur für die schon im Studium befindlichen Studierenden oder Personen mit fertigem Abschluss M.Sc. in Psychologie gelten die Übergangsregelungen; für alle, die nach Inkrafttreten des neuen Gesetzes das Studium beginnen, gelten ausschließlich die neuen Regelungen.

Die aktuellen Approbationszahlen bieten eine erste Orientierung, wie viele Psychotherapeuten/innen bundesweit und pro Bundesland vermutlich gebraucht werden. Diese Zahlen sind jedoch nicht 1:1 in Studienplätze zu übersetzen, weil z. B. in Stadtstaaten wie Berlin überproportional viele Approbationen durch postgraduale Ausbildung erworben werden, dafür aber in verschiedenen Flächenländern vergleichsweise wenige. Die Kultusministerien sind in der Pflicht, durch das Bereitstellen von Studienplätzen eine ausreichende Versorgung mit Psychotherapeuten/innen zu gewährleisten. Die Verhandlungen über die Anzahl der einzurichtenden Studienplätze erfolgen demnach über die Kultusministerien.

Aus Sicht der DGPs muss der Approbationsvorbehalt auf heilkundliche Tätigkeiten eingegrenzt bleiben und zwischen den heilkundlichen Tätigkeiten im Rahmen der Psychotherapie einerseits und anderen diagnostischen, präventiven und rehabilitativen Maßnahmen zur Gesundheitsförderung differenzieren, um auch hier klarzustellen, dass Maßnahmen der Gesundheitsförderung oder rechtspsychologische Tätigkeiten außerhalb der Krankheitsfeststellung nicht dem Approbationsvorbehalt unterliegen.

Durch die jetzt vorgesehene Regelung mit polyvalentem Bachelor könnte sichergestellt werden, dass die Studierenden die Psychologie in ihrer Breite kennenlernen, bevor sie sich für oder gegen einen Approbationsstudiengang entscheiden müssen. Die Entscheidung der Studierenden wird maßgeblich von den im Bachelor kennengelernten Bereichen der Psychologie sowie dem Angebot an attraktiven Masterprogramme ohne Approbationsmöglichkeit beeinflusst werden. Ziel sollte es sein, dass sich nur solche Studierende für einen Approbationsmaster entscheiden, die auch tatsächlich in der Psychotherapie oder in der damit verbundenen Forschung arbeiten möchten.

Eine Kommission der DGPs und des Fakultätentags beschäftigt sich aktuell mit der Frage, wie Zulassungskriterien fair und sachgerecht gestaltet werden können.

FAQ zum DGPs-Modell

Das von der akademischen Psychologie ausgearbeitete Qualifizierungsmodell sieht vor, im Rahmen von regulären 5-jährigen Bachelor- und Master-Studiengängen alle Qualifikationen zu vermitteln, die zur akademisch-wissenschaftlichen und zur praktischen Ausbildung notwendig sind. Dies ist insbesondere vor folgendem Hintergrund möglich und sinnvoll: Bei Verabschiedung des PsychThG 1999 wurde ein 9-semestriges Diplom-Psychologiestudium vorausgesetzt, das eine einzige Prüfung in Klinischer Psychologie enthalten musste. Die Mehrzahl der angehenden Psychotherapeuten/-innen begann mit diesem Abschluss direkt die klinische Arbeit, meist im stationären Setting. Nun stehen 10 anstatt 9 Semester zur Verfügung, und die Lehrinhalte werden viel stärker auf die Aufgaben Psychologischer Psychotherapeuten/-innen zugeschnitten sein sowie mit entsprechenden Praxisanteilen die therapeutischen Handlungskompetenzen sicherstellen. Hierzu sind in den mit der 5-jährigen Bologna-Struktur kompatiblen Entwürfen des Fakultätentages Psychologie und der DGPs handlungsorientierte Lehrveranstaltungen (z.B. Einübung von Diagnostik und Basis-Interventionstechniken im Rollenspiel) genauso vorgesehen wie die Entwicklung von Handlungskompetenzen im direkten Patientenkontakt bei ambulanten Behandlungen (z.B. im Rahmen von Fallseminaren, diagnostischen Sitzungen, Durchführung eines Gutachtens) und auch im Rahmen von mehrmonatigen (teil-)stationären Praktika. Über einen Leistungskatalog (z.B. Durchführung einer vordefinierten Mindestzahl an diagnostischen Untersuchungen, Patientengesprächen, Teilnahme an Gruppenpsychotherapie etc.) wird im DGPs-Vorschlag ausreichend Praxiserfahrung gewährleistet, wobei der Kompetenzerwerb abschließend zur Sicherstellung des Patientenschutzes noch durch eine praxisorientierte Prüfung unter staatlicher Aufsicht abgeschlossen wird. Dem Ganzen liegt somit ein praxis-integriertes Qualifizierungskonzept zugrunde.

Eine Blaupause der Praktika des Medizin-Studienganges einschließlich eines 1-jährigen Praktischen Jahres oder eines 11. Praxis-Semesters ist weder sinnvoll noch notwendig. In der Medizin wird für eine Vielzahl an Vertiefungsmöglichkeiten ausgebildet (51 Facharzt-Weiterbildungen), so dass auch erste praktische Erfahrungen in vielen verschiedenen Vertiefungsbereichen wünschenswert sind (z.B. Famulaturen, 3 Settings à 4 Monate im praktischen Jahr), bevor in einem Spezialgebiet die Facharztweiterbildung erfolgt. Trotzdem darf eine Ärztin/ein Arzt nach Erhalt der Approbation am Ende des Studiums im Rahmen der nachfolgenden Weiterbildung direkt mit Patienten auch psychotherapeutisch arbeiten, selbst wenn er/sie zuvor keinerlei Patientenkontakt mit der entsprechenden Zielgruppe hatte und keinerlei praxisorientierte psychotherapeutische Lehrveranstaltungen absolvierte. Die zunächst sehr umfangreich wirkenden Praxisphasen des Medizinstudiums sehen also für die einzelnen Teilgebiete der Medizin doch nur geringfügige oder gar keine spezifischen Praxisphasen vor. Trotzdem erhält ein Arzt/eine Ärztin nach dem Studium die Genehmigung zur Berufsausübung in allen Teilgebieten der Heilkunde, was bisher nicht als Gefährdung des Patientenschutzes gesehen wurde. Bei den angehenden Psychologischen Psychotherapeuten/-innen ist ein juristisch vergleichbarer Approbationsbegriff wie im ärztlichen Bereich anzuwenden, der jedoch nur für einen deutlich schmaleren Bereich der Heilkunde qualifiziert. So muss das Medizinstudium die Weiterbildungsreife für 51 Weiterbildungsmöglichkeiten (auch durch praktische Lehrveranstaltungen) herstellen, die psychologische Psychotherapie für zwei: Psychotherapie bei Erwachsenen und Psychotherapie bei Kindern- und Jugendlichen.

Der einschlägige Praxiskontakt im Handlungsfeld „Psychotherapie bei psychisch Kranken“ ist im zukünftigen Masterstudium zur Approbation sowohl durch handlungskompetenzorientierte Lehrveranstaltungen im Studium als auch durch Praktika im Bachelor und im Master ambulant und stationär im Bereich Psychotherapie nach unseren Entwürfen sichergestellt. Nach der Approbation sind dann im Rahmen der Weiterbildung zum Fachpsychotherapeuten ganz analog zur medizinischen Facharztausbildung berufliche Tätigkeiten nur unter Supervision und Fachaufsicht vorgesehen. Der Patientenschutz ist also mindestens vergleichbar zur medizinischen Approbation gesichert.

Weiterhin ist es uns ein essentielles Anliegen, die Integration von Wissenschaft und Praxis für die Psychotherapieausbildung durchgängig zu gewährleisten. Praxisphasen sollten daher nicht isoliert und ohne Rückkoppelung an einen wissenschaftlichen Kontext, quasi als Anhang an ein wissenschaftliches Studium, durchgeführt werden. Lange und vom Setting her detailliert vorgeschriebene Praxisphasen bringen außerdem die Gefahr mit sich, dass insbesondere nicht in allen Regionen genügend Praktikumsplätze vorgehalten werden können und somit „Flaschenhälse“ entstehen. Diese würden zu Studienzeitverlängerungen führen.

Die Ausbildung in Psychologischer Psychotherapie hat sich an den psychologischen Instituten und mit dem Ausbau der Psychotherapeutischen Hochschulambulanzen sowohl im Kinder- und Jugendlichen- als auch im Erwachsenenbereich in den letzten Jahrzehnten exzellent entwickelt. Gerade die Forschungsorientierung und Wissenschaftlichkeit durch die Vermittlung breiter Grundlagen hat sich in der Psychologie als Erfolgsmodell herausgestellt. Auch unter Kostengesichtspunkten birgt die Nutzung der vorhandenen Forschungs- und Lehrstrukturen an psychologischen Instituten vielfältige Vorteile. Eine Ausbildung Psychologischer Psychotherapeutinnen/-en in der Medizin birgt die Gefahr, dass hier aufgrund anderer Fächer- und Personalvoraussetzungen dem notwendigen wissenschaftlichen Be-zug auf psychologische Grundlagen und Methoden nicht genug Raum gegeben werden kann. Zudem müssten hier teure neue Strukturen aufgebaut werden, die für die allermeisten Universitätsstandorte Doppelstrukturen wären, während die Medizin schon mit Finanzierungslücken für ihr ureigenes Fach zu kämpfen hat.

Für die dem Studium mit Approbation folgende Weiterbildung werden zurzeit 3- bis 5jährige Modelle diskutiert (Forderung der Bundespsychotherapeutenkammer: zusätzlich 5 Jahre Weiterbildung nach Abschluss der Approbation am Ende des Studiums). Qualifizierungskonzepte insbesondere der praktischen Handlungskompetenzen müssen deshalb zwingend Stellung nehmen, welche Praxiskompetenzen im Studium zu erwerben sind, und welche in der Weiterbildung. Während Praktika im Studium primär durch den im Vordergrund stehenden Kompetenzerwerb der Studierenden geprägt sein müssen, kann die praktische Arbeit in der Weiterbildung stärker durch Erwerb von vertieften Kompetenzen begleitend zu den im Vordergrund stehenden Dienstleistungen gekennzeichnet sein. Wenig zielführend in einem hierarchischen Konzept praktischer Qualifizierung erscheinen Zeiten unentgeltlicher praktischer Tätigkeit, die primär Dienstleistungscharakter haben und entkoppelt von der Hochschulausbildung stattfinden, aber noch als verpflichtende Studienbestandteile gelten (wie das bisherige „Psychiatriejahr“). Deren Abschaffung war ein wesentliches Anliegen der Reform. Außerdem sollte angedacht werden, wie entsprechend der Forderung des Wissenschaftsrats die Bedeutung akademischer Inhalte auch in der Weiterbildung weiter gesteigert werden kann (z.B. durch Kooperation zwischen Universitäten und Weiterbildungseinrichtungen). Überzeugende Qualifizierungskonzepte sowohl bezüglich der Praxisphasen als auch bezüglich der akademischen Inhalte im Studium und in der Weiterbildung müssen entsprechend aufeinander abgestimmt sein, wie dies auch von unserer Seite beispielhaft erstellt wurde.

Die Freiheit von Forschung und Lehre ist u.a. dadurch begründet, dass dieser Liberalismus konkurrierende Ideen, dynamische Weiterentwicklungen und zügige Integration neuer Erkenntnisse im Studium gewährleistet. Dadurch werden die gesellschaftlichen Aufgaben der universitären Psychotherapie am besten erreicht: eine kritische Bewertung bestehender Behandlungsangebote, Antworten auf aktuelle und zukünftige Versorgungsfragen zu liefern, verfahrensübergreifende und neue Interventionen zu entwickeln und zeitnah in der Ausbildung zu integrieren.

Für zukunftsfähige Lösungen darf Pluralismus nicht ausschließlich über traditionelle Psychotherapieverfahren („Grundorientierungen“) zum Beispiel durch Strukturvorgaben für Hochschulen definiert werden. Solche Einengungen würden notwendige dynamische Weiterentwicklungen behindern. Auch bezüglich der Praxiserfahrungen in unterschiedlichen Therapieverfahren erscheinen uns strukturelle Vorgaben nicht notwendig: Studierende können sich Praktikumsplätze frei und selbstverantwortlich nach Behandlungsschwerpunkten aussuchen. Wichtig erscheint uns demgegenüber, dass sichergestellt ist, dass alle Studierende (verfahrensspezifische oder verfahrensübergreifende) Basishandlungskompetenzen zur Behandlung von Patientinnen und Patienten beider Altersschwerpunkte erwerben, um somit das Bestmögliche für die Patientensicherheit zu erreichen. Ausbildende Hochschulen sollen im Sinne eines zukunftsorientierten Pluralismus auch den handlungsorientierten Kompetenzerwerb in mindestens 2 Behandlungsansätzen (wissenschaftlich anerkannte Therapieverfahren, -methoden oder psychotherapeutische Neuentwicklungen in Evaluation) ermöglichen, die einem Prinzip „Vielfalt durch Evidenzbasierung“ folgen.

Vergleichbar zu Regelungen für Mediziner soll der Approbationserhalt mit Abschluss des Studiums noch nicht mit einer sozialrechtlichen Zulassung verbunden sein. Diese soll erst im Rahmen einer nachfolgenden fachpsychotherapeutischen Weiterbildung erworben werden soll. Somit können von approbierten Absolventen nach dem Psychotherapiestudium, die noch keine Weiterbildung abgeschlossen haben, keine psychotherapeutischen Leistungen im Rahmen der gesetzlichen und auch nicht der üblichen privaten Krankenversicherungen erbracht werden. Zusätzlich kann der Missbrauch, ähnlich wie in der Medizin, durch weitere Regelungen erschwert und klar geahndet werden (Berufsordnungen der Kammern, Haftungsrecht bei Verpflichtung zur Haftpflichtversicherung u.a.). Die mit der Approbation und Kammermitgliedschaft erworbene Verankerung in einer Berufsordnung hat sich im Bereich der Medizin als ausreichend erwiesen, um systematischem Missbrauch vorzubeugen. Gleiches kann auch für die Psychotherapie erwartet werden.

Unabhängig davon stehen Selbstzahlern derzeit in Deutschland insbesondere über die Heilpraktikerregelung leider noch diverse Möglichkeiten offen, z.T. auch unqualifizierte (psycho-)therapeutische oder medizinische Maßnahmen über sich ergehen zu lassen. Auch wenn dies nicht durch das PsychThG direkt geregelt wird, steht zu hoffen, dass sich an dieser Situation durch verbesserte Regelungen der Aus- und Weiterbildung in Psychologischer Psychotherapie in Zukunft etwas verbessert.

Selbstverständlich kann Kooperation zwischen universitären Disziplinen sehr bereichernd sein, aber dazu sollte sie nicht einseitig, sondern mindestens bidirektional konzipiert werden. Momentan bietet die akademische Psychologie eine für Studierende hochattraktive Spezialisierung in Klinischer Psychologie und Psychotherapie an, die kostengünstig auf die neuen Anforderungen ausgeweitet werden kann, während die sog. P-Fächer in der Medizin (Psychiatrie/Psychosomatik) trotz steigender Studierendenzahlen Nachwuchsprobleme haben. Wenn also über verbesserte Kooperationen nachgedacht wird, sollte dies bidirektional sein und von beiden Fächern aus eine Verbesserung der Aus- und Weiterbildungssituation psychologischer und ärztlicher Psychotherapeutinnen/-en anstreben. Kooperation sollte in vertrauensvollen Diskussionen bilateral „vor Ort“ entstehen, anstatt einseitig durch politische Gremien vorgegeben zu werden. Doppel- und Konkurrenzstrukturen sollten vermieden werden, wobei die besondere Rolle der Psychologie zu berücksichtigen ist (Wissenschaftsrat: „Psychologie als Mutter-Disziplin der Psychotherapie“).