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Meldung

Podiumsdiskussion zur Psychotherapie-Reform auf dem 51. DGPs-Kongress in Frankfurt

Am Dienstag, dem 18. September 2018, hatte die Kommission Psychologie und Psychotherapieausbildung der DGPs im Rahmen des 51. Kongresses in Frankfurt zu einer Podiumsdiskussion zum aktuellen Stand der Psychotherapiereform eingeladen. Diskutanten des Podiums waren Prof. Markus Bühner (München), Prof. Cornelia Exner (Leipzig), Prof. Thomas Fydrich (Berlin), Prof. Winfried Rief (Marburg) und Prof. Silvia Schneider (Bochum).

Neben Informationen über die Entwicklungen seit 2016 präsentierte die DGPs ihr Eckpunktepapier zur Psychotherapie-Reform. Außerdem wurde ein Reform-Leitfaden für die Psychologischen Institute vorgestellt, der ihnen konkrete Hinweise zu den Aufgaben liefert, die im Zuge der Reform auf die Institute zukommen werden.

Finanzierung der Reform: Institute müssen jetzt in Kontakt mit ihren Universitätsleitungen und Landesministerien treten

Die DGPs empfiehlt allen Psychologischen Instituten, schon jetzt an ihre jeweiligen Landesministerien heranzutreten und Ressourcenverhandlungen zu beginnen, damit die Finanzierung des Mehrbedarfs bereitgestellt werden kann. Nur so kann sichergestellt werden, dass für alle Fächer die notwendigen finanziellen Aufwendungen auch mit der Reform zur Verfügung stehen werden. 

Es muss schon jetzt verhandelt werden, da die Ministerien zu Beginn die Zuteilung der finanziellen Ressourcen festlegen werden.

Die DGPs und der Fakultätentag Psychologie stehen den Instituten für diese Verhandlungen gerne beratend zur Seite!

Fragen zur Reform

Im Anschluss an die Informationen zur Reform beantworteten die Mitglieder der Kommission Psychologie und Psychotherapieausbildung Fragen aus dem Auditorium. Folgende Themen wurden in dieser Fragerunde behandelt:

1. Zugangsvoraussetzungen

Die Zugangsvoraussetzungen zum Psychologiestudium werden sich vorerst nicht ändern.

Birgit Spinath (DGPs-Präsidentin 2018-2020) berichtet, dass aktuell in Baden-Württemberg ein Probelauf für Studiengangsspezifische Eignungstests für das Fach Psychologie anläuft. Diese Tests sollen erstmalig im Jahr 2021 eingesetzt werden. Für die Psychologie wäre es wünschenswert, wenn es ein bundesweites Zulassungsverfahren gäbe.

2. Ausbildung an anderen Fakultäten

Die DGPs setzt sich dafür ein, dass die Psychologie vorrangig das Studium zur Approbation in Psychotherapie, das auf einem polyvalenten Bachelor aufbaut anbieten wird. In der Approbationsordnung werden 2/3 der Studiumsinhalte festgelegt. Die DGPs macht sich dafür stark, dass die notwendigen inhaltlichen Voraussetzungen sehr stark an den B.Sc. Psychologie angelehnt sein werden.

3. Regelung der Weiterbildung nach dem Studium

Die DGPs sieht, wie auch andere beteiligte Verbände, die Ambulante Weiterbildung als Kernpunkt für das Weiterbildungskonzept an.

4. Evidenzbasierung

Psychotherapie muss sich dynamisch weiterentwickeln können. Die Forschungsdynamik der letzten Jahrzehnte hat viele Erfolge für die Verhaltenstherapie erbracht, aber wenn sich in Zukunft andere Behandlungsformen sich wissenschaftlich überzeugend darstellen, sollten sie ebenfalls mit ins Curriculum aufgenommen werden können. 

Die Idee dahinter ist, zukünftig nicht mehr von Therapierichtungen zu sprechen, sondern die Störungsbilder und klinischen Problemkonstellationen ins Zentrum zu stellen und davon ausgehend die Behandlungsansätze zu bestimmen, mit denen sie gut behandelt werden können.

5. Stationärer Anteil der Weiterbildung

Die stationäre Therapie in Deutschland ist ein Spezifikum. Die Kommission Psychologie und Psychotherapie und der Vorstand der DGPs haben bereits mit ihrem Eckpunktepapier Impulse für Veränderungen diskutiert. Im Wesentlichen geht es darum, dass der ambulante Bereich zukünftig stärker ausgebaut werden sollte. Wünschenswert wäre beispielsweise die Einrichtung von Psychotherapeutischen Tagesambulanzen bzw. Interdisziplinären Behandlungszentren Psychotherapie.

6. Versorgung KiJu

Die Vertretung an Psychologischen Instituten im Kinder- und Jugendlichen-Bereich ist in Deutschland schon sehr gut angelaufen. Aktuell gibt es an den Psychologischen Instituten in Deutschland 11 Lehrstühle für Klinische Kinder- und Jugendlichenpsychologie und es entstehen weitere. Zukünftig werden auch die anderen Institute gefordert sein, nachzurüsten und den Bereich auch zu lehren. Dies wird voraussichtlich auch durch die Inhalte der Approbationsordnung geregelt sein. Die DGPs geht davon aus, dass die Aufteilung der zwei Altersgruppen (Erwachsene und KiJu) sich hin zu 2/3 und 1/3 ändern wird.

7. Übergang B.Sc. zu M.Sc.

Die DGPs hatte in den vergangenen Vorstandsperioden bereits versucht, die Übergangsregelungen zu verbessern. Allerdings gibt es rechtlich keine Handhabe, so dass es auch bei der Reform des Psychotherapeutengesetzes schwierig werden wird, hierauf Einfluss zu nehmen.

8. Erfolgreicher Umbau der Studiengänge

Die DGPs hat ein Modell entwickelt, in dem konkret beschrieben wird, wie der Umbau des Studiengangs aussehen kann.

Dem Modell entsprechend muss jeder, der ein Masterstudium mit dem Schwerpunkt Klinische Psychologie und Psychotherapie aufnehmen möchte, auch im Bachelor die Klinische Psychologie als ein Anwendungsfach studiert und ein Praktikum in Klinischer Psychologie absolviert haben.

Die Empfehlungen zu B.Sc. und M.Sc. der DGPs aus dem Jahre 2014 werden nach wie vor bestehen.